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Auf Alina Reh (links) und Konstanze Klosterhalfen liegen die deutschen Langstreckenhoffnungen (Fotos: dpa, Theo Kiefner)

Grünings Klartext (aus: Runner's World 05/2016)

Fräuleinwunder

Die 19-jährige Konstanze Klosterhalfen rennt von Rekord zu Rekord. Ein Ausnahmetalent.
Hoffentlich wird sie nicht verheizt. Aber warum sollte sie?

Konstanze Klosterhalfen heißt also der neue Stern am deutschen Läuferhimmel. Ja, ich hab es inzwischen auch begriffen. Klar, schon ihr letztjähriger deutscher 3000-Meter-U20-Rekord von 8:53,21 Minuten in Bergisch-Gladbach war überragend (vier Sekunden unter dem Uralt-Rekord einer gewissen Ursula Sauer aus Erfurt aus dem Jahr 1979). Aber wie die 19-Jährige in diesem Winter in nur vier Wochen vier weitere deutsche Rekorde von 800 Meter bis zehn Kilometer pulveri­sierte (800 Meter Halle, 1500 Meter Halle, 3000 Meter Halle,
10 Kilometer Straße), von denen zwei auch noch Europa-Rekorde waren, und dazu auch noch Crosslauf-Europameisterin wurde, das war schon einmalig. Und wie nennt man so ein Mädchen? Ein Jahrhunderttalent … oder so. Und was macht man mit ­einem solchen? Man hegt und pflegt es – hoffentlich!

Bis 2015 dachten wir ja immer, das Ausnahme­talent des Jahrgangs 1997 sei Alina Reh. Ist sie ja auch. Doch jetzt rennt ihr auf einmal eine andere vor der Nase herum – und das in einer Art und Weise, dass man aus dem Staunen kaum herauskommt. Da tut sich was in Ausdauer-Laufdeutschland. So kann es in der neuen Bahnsaison weitergehen. Mal schauen, was die Cross-, Hallen- und Straßenlaufergebnisse von Klosterhalfen und Reh in der Bahnsaison wert sind. Sicher scheint, dass sich die beiden für die Junioren-Weltmeisterschaften im polnischen Bydgoszcz (19.–24. Juli) qualifizieren, die eine über 1500 Meter (Klosterhalfen) und die andere über 5000 Meter (Reh). Für beide ist aber auch die Qualifika­tion für die vorher stattfindenden Europameisterschaften der Erwachsenen in Amsterdam (6.–10. Juli) realistisch. Und für Klosterhalfen erscheint sogar ein Start bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (5.–21. August) möglich: Ihre 1500-Meter-Bestleistung steht bei 4:08,38 Minuten, die Norm für die Spiele liegt bei 4:07,00 Minuten! Sollte sie es machen oder besser nicht?

Ich habe Angst. Angst, dass wir in zwei Jahren von den beiden nichts mehr hören. Aber eigentlich ist meine Angst nur der übliche Reflex, wenn Nachwuchsrekorde purzeln. Ich kenne zugegebenermaßen die Trainingspläne der einen wie der anderen nicht. Wie kann ich da mitreden? Gar nicht. Und schaut man sich die deutschen U20-Rekorde an, so haben immerhin drei der fünf männlichen Rekordhalter von 800 bis 10 000 Meter (Andreas Busse, Hansjörg Kunze, Stephan Freigang) sowie eine der weib­lichen Rekordhalterinnen (Hildegard Ullrich) auch in der Aktiven-Klasse noch internationale Medaillen gewonnen. Die Chance steht also bei 40:60. Bei Klosterhalfen und Reh wird es gutgehen, die werden nicht verheizt. Dafür sorgen ja ihre Trainer.

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