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Nackt, ohne Technik und Gedöns! Laufen kann man so auch (Foto: privat)

Ich hab's nicht so mit der Technik

Ganz einfach

Das Laufen kann ganz schön kompliziert sein. Mancher mag genau das, mancher nicht. Bekenntnisse eines Menschen, der keinerlei Affinität zur Technik hat.

Es fällt mir schwer, es zuzugeben, aber ich habe von Technik keine Ahnung. Nicht die leiseste Ahnung. Ich bin einer von denen, die noch nicht mal unfallfrei eine Glühbirne einschrauben können. Darauf bin ich keineswegs stolz. Nein, ich hasse mich sogar dafür. (Und andere hassen mich deshalb bestimmt auch.) Diese tech­nische Unfähigkeit hat übrigens auch direkte Auswirkungen auf meinen Job als Lauf-Journalist. Ich falle dabei nämlich für manche Themenbereiche komplett aus. Alles, was Lauftechnik betrifft, wie Herzfrequenzmesser, GPS-Messer, selbst normale Funktions­uhren, kriege ich nur schwer allein in Gang, dafür aber oft schnell kaputt. Glauben Sie mir, das kann peinlich sein. Zum Beispiel wenn ich mit wissbegierigen Läufern in einem Laufcamp bin, die alle glauben, ich sei der Ober-­Checker (und zwar bei allem, was das Laufen betrifft), nur weil ich einigermaßen schnell rennen kann. Aber dann weiß ich noch nicht mal, wie man das gängigste technische Gadget auf „Los“ setzt. Peinlich, peinlich! Ich bin tatsächlich einer, dem es durchaus passieren kann, dass er auch mal mit seiner normalen Herrenarmbanduhr auf die schnelle Laufrunde geht, weil ich einfach kein Gespür für die richtige Technik habe. Glauben Sie jetzt aber bitte zwei Dinge nicht: erstens, dass ich deshalb zukunftsfeindlich wäre. Nein, überhaupt nicht. Nur einfach technisch gänzlich unbeleckt. Zweitens, dass ich deshalb meinen Job nicht machen könnte. Nein, dazu habe ich tolle Kollegen an meiner Seite, die das alles so gut können, dass sie mich bei den spannenden Technik-Themen sicher nicht brauchen.

So weit, so gut. Kommen wir aber endlich zu den Konsequenzen, die ich aus meiner technischen Unfähigkeit ziehe – denn die sind gnadenlos: Ich laufe, wann immer möglich, nackt. Splitternackt. Im übertragenen Sinne natürlich nur. Ich laufe komplett ohne technische Hilfsmittel – einfach so, ohne Uhr, Streckenmesser, Musik. Und verlasse mich ­dabei ganz auf mein Gefühl – oder auf andere. Ich laufe einfach los. Meistens jedenfalls. (Ja, ich profitiere dabei von jahrelanger Erfahrung.) Ich bevorzuge also das Laufen ohne Herzfrequenzmesser, achte bei harten ­Belastungen aber auf meine Atem­frequenz. Ich ­laufe ohne Streckenver­messung, frage aber ­andere, wie lang denn unsere gemeinsame Runde wohl gewesen sein mag. Ich lasse meine Laufkilometer nicht automatisch in ein soziales Netzwerk übertragen, berichte aber von fast ­jeder Laufeinheit auf meiner Face­bookseite oder auf Instagram. Ich laufe mit den leichtesten und flachsten Laufschuhen, die es gibt, trage aber in meinen Freizeitschuhen Einlagen. Ich laufe schon bei lauwarmem Wetter oben ohne, habe aber immer ein Shirt dabei, um es in der Zivilisation sofort überzustreifen. Ich nehme beim Laufen, egal wie ­lange ich unterwegs bin, keine Getränke mit, trinke aber im Wettkampf (inzwischen) an ­jeder Verpflegungsstation … Ach, die Liste ließe sich noch lange fort­setzen. Stolz macht sie mich nicht, aber sie zeigt doch eins: Es gibt auch ein ­Laufen ohne technische Hilfs­mittel. Das ist kein besseres Laufen, aber eben auch kein schlechteres!

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