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Bei Fuß, mit Maulkorb und an der Leine. Kann sein, muss aber nicht sein... (Foto: iStockphoto.com)

Ich mag Hunde, wirklich

Hunde & Läufer

Bei uns Zuhause gab es Hamster, Meerschweinchen, Wellensittiche, bestimmt auch mal eine Schildkröte, aber einen Hund den gab es nicht. Wir waren sechs Kinder und wohnten in einem Reihenhaus in der Stadt, mit einem Garten, den man heute vielleicht groß früher aber klein nannte. Da passte den Eltern ein großes Haustier einfach nicht in den Kram.

Mit uns Kindern hatten sie schließlich schon genug zu tun. Als Läufer war ich dann immer einer von denen, die keine Ahnung von Hunden hatten, aber auch keine Angst vor den Vierbeinern, jedoch einen gewissen Respekt, der je nach Hundegröße mal mehr und mal weniger ausgeprägt war. Schlechte Erfahrungen machte ich mit Hunden nur zweimal in vierzig Laufjahren, das eine mal endete tatsächlich  bei der Polizei, aber nicht, weil mich ein Hund gebissen, sondern ein Hundehalter vermöbelt hatte. Sein Hund hatte mehrfach nach mir geschnappt, wonach ich den Halter zur Rede stellte, was er kommentarlos mit einem Faustschlag mitten auf meine Nase quittierte. Das ist inzwischen 28 Jahre her. Das andere Mal war ich beim schnellen Dauerlauf über einen Hund gestolpert, ja, richtig gelesen ge-stol-pert, ich hatte ihn nicht gesehen, da er so klein war, und er war anschließend verletzt. Nicht ich war verletzt, sondern er. Ich war untröstlich und besuchte ihn und sein Frauchen noch einige Wochen, brachte Leckerlis mit und versuchte, sein Freund zu werden. Aber er mochte mich nicht, ich sein Frauchen dafür umso mehr und sie mich auch, so kam es zu meiner ersten Beziehung mit einer Hundebesitzerin. Die endete allerdings nur wenige Wochen später, ohne dass ich einmal mit dem Hund laufen gewesen wäre. Das ist inzwischen 25 Jahre her.
Nimmt man meine vierzig Laufjahre also zusammen, dann kommen somit auf tausende Hundebegegnungen unterwegs genau zwei negative. Ganz schön wenig dafür, dass über das Missverhältnis zwischen Läufern und Hunden immer so viel geredet wird.

Dann kam ich mit meiner heutigen Frau zusammen, über das Laufen, natürlich. Sie hatte immer einen Hund, als Kind, als Jugendliche, als ich sie kennenlernte, hatte sie keinen. Aber bald schon wollte sie einen. Ich konnte es mir anfangs überhaupt nicht vorstellen, wie das so sein könnte, wenn ich das Wichtigste in meinem Leben mit einem Hund teilen müsste: das Laufen. Aber ich fand es einen Versuch wert.
Wir begannen den Hund, einen Border Collie, ebenso ans Laufen heranzuführen, wie man einen Laufanfänger ans Laufen heranführt: steigerten vorsichtig die Laufumfänge, steigerten die Lauftage und irgendwann konnte „Birdie“ (benannt nach dem im Golfsport benutzten Begriff! Warum, das ist eine ganz eigene Geschichte) Alles mitlaufen. Egal, ob kurze, schnelle Läufe oder lange, ob im Flachen oder den Bergen, Birdie ist immer mit dabei. Naja, fast immer.

Unser Hund ist – und das ich wichtig hier anzumerken – übrigens der besterzogenste Hund der Welt. Dafür kann ich allerdings nichts, sondern das geht alleine auf das Konto meiner Frau. Und man muss es sagen wie es ist: Was hat sie im ersten Lebensjahr des Hundes (er kam zu uns mit acht Wochen) an Zeit in seine Erziehung gesteckt. „Mehr als in ein Kind“ habe ich manches Mal genervt gedacht und ich weiß, wovon ich spreche, denn ich bin dreifacher Vater. Aber so hört Birdie heute aufs Wort. Sagt man zu ihm „Komm!“ dann kommt er auch und das nicht irgendwann, sondern sofort. Rennt er mit uns mit, wartet er zum Beispiel an jeder Straße auf einen Zuruf, ob er sie überqueren darf, läuft „bei Fuß“ bis man das Kommondo wieder löst – und, ja, kann natürlich jede Menge Tricks, wie das Border Collies halt so können.

Für andere Läufer interessiert sich unser Hund überhaupt nicht. Außer sie haben einen Hund dabei. Ist der andere Hund angeleint, nehmen wir unseren meistens „bei Fuß“, denn unser Hund ist so gut wie nie angeleint. Meine Frau spricht bei dem Thema immer ganz kennerisch von der „Wortleine“, an der er liegt. Einen anderen Läufer angeschnüffelt, gar angesprungen hat er noch nie. Er weiß aus Erfahrung mit uns, dass wir ganz schön böse sein können, wenn er uns mal versehentlich in die Beine kreuzt, und anspringen darf und tut er nichts und niemanden.

Die ersten Male als ich mit ihm alleine lief, störte er mich. Er beanspruchte zuviel Aufmerksamkeit, nahm mir die Konzentration bei schnellen Läufen, hielt mich vom Träumen ab bei den langsamen Läufen. Es dauerte ziemlich lange bis wir ein eingespieltes Team waren. Und natürlich war das mit dem „besterzogensten“ Hund auch nicht von Anfang an der Fall. Doch nach und nach gewöhnten wir uns aneinander. Was er lernen musste, war, dass ich mit ihm unterwegs ganz anders kommuniziere, als wenn er mit meiner Frau läuft. Ich würde behaupten, ihr ist er ein echter Freund, mir ein guter Kumpel. Sie redet (vermutlich) sehr viel mehr mit ihm, als ich es tue. Ich kommandiere ihn, lobe ihn, wenn er ein Kommando befolgt hat, und ansonsten sind wir stumme Laufpartner. Er läuft in der Regel fünf Meter voraus, bleibt nur ab und zu mal stehen, um etwas zu beschnüffeln, holt dann aber schnell wieder auf, um sich wieder nach vorne abzusetzen. Nur bei ganz langen Läufen kommt es vor, dass er sich zum Schluss direkt hinter mir einreiht, dann weiß ich, dass er müde ist und es Zeit wird nach Hause zu kommen.

Mein Verhältnis zu Hunden ansich hat sich natürlich durch den eigenen Hund stark verändert. Heute weiß ich zum Beispiel, dass es keinen Sinn macht, auf einen schlecht erzogenen Hund zu fluchen, sondern auf den Hundebesitzer, der seinen Hund nicht erzogen hat. Und Hunde, die einen Maulkorb tragen müssen, tun mir unendlich leid, denn den müssten eigentlich Herrchen und Frauchen tragen. Und dass man immer noch an zu vielen Stellen in Hundekot tritt, das regt mich heute genauso auf wie früher, obwohl es auch mir sicher schonmal passiert ist, dass ich nicht mitbekommen habe, dass Birdie gerade einen Haufen gemacht hat. Was ich weiterhin auch nicht verstehen kann ist, dass es Menschen gibt, die Hunde wie Menschen behandeln, das ist übrigens auch selten zum Wohle des Hundes.

Wenn man mich fragen würde, ob der Hund eine Bereicherung in meinem Läuferleben ist, kann ich das bedingt bejahen. Ich brauche ihn nicht als Motivator, Lust zum Laufen habe ich mehr als er, denke ich manches Mal. Aber er macht einsame Läufe weniger einsam. Manchmal sehe ich das als Vorteil, manchmal als Nachteil. Müsste ich eine Reihenfolge meines Laufvergnügens aufstellen, würde ich sagen: Am liebsten laufe ich in einer (kleinen) Gruppe von Läufern, dann folgt das Laufen mit einem Mitläufer/einer Mitläuferin, also zu zweit, dann kommt das Laufen alleine, dann das Laufen mit Hund – und jeder dieser Läufe macht mir Spaß. Ich weiß, dass es anderen Läufern mit ihren Hunden vielleicht anders geht, aber bei mir ist das so.

 

Vier Gründe, die den Hund als Laufpartner vom Menschen unterscheiden

1 Hunde akzeptieren keine Ausreden, denn sie verstehen sie einfach nicht. Keine Zeit, zuviel zu tun, andere Verpflichtungen? Ihr Hund muss raus und Sie also auch – auf jeden Fall, wenn Sie keinen Garten besitzen. Und ob Sie nur mal 15 Minuten Gassi gehen oder dreißig Minuten Gassi laufen, macht dann doch auch keinen großen Unterschied mehr.

2 Hunde haben keine Ansprüche an den Erfolg oder Misserfolg einer Laufrunde. Ihnen ist es völlig egal, welches Lauftempo sie laufen, wieviele Kalorien sie verbrennen, ob Ihre Laufstrecke vermessen ist oder bergauf oder bergab geht. Hauptsache sie laufen, je ungebundener und freier, desto besser, aber wenn es ein bestimmtes Tempo sein muss, dann eben auch das.

3 Hunde verehren Sie und wollen unbedingt mit Ihnen etwas unternehmen. Dabei spielt es keine Rolle, wie gut oder schlecht Sie gerade drauf sind, sowohl Ihre Laufform wie Ihre Gemütsstimmung betreffend. Sie sind der Rudelführer/die Rudelführerin, also ist alles, was Sie machen, etwas Gutes. Sie folgen Ihnen bedingungslos.

4 Hunde sind immer gut gelaunt, wenn es um das Thema Laufen geht. Sie freuen sich immer und immer sehr offensichtlich an die frische Luft zu kommen. Und das bei jedem Wetter, egal ob es stürmt, regnet oder schneit. Das kann durchaus ansteckend sein, wenn man auch selbst gerade vielleicht keine große Lust spürt. Übrigens ist das der am meisten genannte Grund, was Läufer an ihren Hunden schätzen.

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