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Ein Mann, eine Mission (Foto: Norbert Wilhelmi)

Mein Beruf? Gute Frage!

Mission Statement

Ich muss verraten, dass ich mich nie eines Journalisten würdig fand. In meiner Vorstellung sind Journalisten – entgegen ihres Ansehens in der Gesellschaft („Ein Journalist ist einer, der nachher alles vorher gewusst hat“, sagte der große Publizist Karl Kraus) – immer hochintelligente und vielseitig interessierte Menschen gewesen. Das war und bin ich beides nicht. Mich interessiert seit meinem 13. Lebensjahr nur eines: das Laufen.

Ich würde mich eher den Lehrern (ups) oder Pädagogen zurechnen – der Lehrerberuf steht übrigens auch am unteren Ende der Werteskala, also gewonnen habe ich damit nichts – vielleicht würde ich mich als Therapeuten bezeichnen, aber hört sich das besser an? Vielleicht wäre ich gerne ein Laufguru! Mir macht es Spaß, anderen Beine zu machen. Noch schlimmer, ich empfinde Genugtuung darin, andere zum Laufen zu zwingen, besser: sie zu ihrem Glück zu zwingen. Mein Medium dazu ist allerdings tatsächlich ein journalistisches Produkt: Runner’s World.

Dieses Medium ermöglicht mir immerhin schon seit über 20 Jahren Monat für Monat zu versuchen, die Leute mit der Droge „Laufen“ zu infizieren. Ich erinnere mich noch der Worte meines damaligen Schwiegervaters, als er mir eindringlich ans Herz legte, nie und nimmer die Stelle bei diesem Magazin anzutreten. Er dachte eher an eine seriöse Tageszeitung als richtigen Arbeitgeber für mich. Und ich sah mich schon bei der Sitzung des Kleintierzuchtvereins, dem Schützenfest und Karneval im Einsatz…
Nein, ich ergriff die Chance beim Schopfe, so wie es mir mein Vater riet, eine Chance, die sich nur den Wenigsten eröffnet: ich machte mein Hobby, das Laufen, zum Beruf! Gott, ich habe es nie bereut!!

Und dann kam sie, die zweite Joggingwelle, die Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zu uns nach Europa schwappte. Ich wurde nicht weggespült, nein, ich stand mit meinen 65 kg Lebendgewicht wie ein Fels in der Brandung und lehnte mich an… meine Runner’s World.

Am besten kann man uns Läufer bei den diversen Lauf-Events beobachten, Menschen, die ein Produkt wie Runner’s World erst möglich und schnell zum Marktführer machten: Männer, Frauen mit wild entschlossene Gesichtern, die auf der Suche sind nach dem Runner’s High, dem irren Schwebezustand zwischen Leben und Tod. Viele von ihnen haben die Nacht vor dem Rennen kaum geschlafen, weil sie nicht wissen, ob sie es schaffen. Die meisten sind keine Asketen, keine Laufprofis, sie haben nicht 170 Kilometer pro Woche gelaufen, sondern manchmal kamen sie noch nicht einmal dazu, wöchentlich 15 Kilometer in ihren Terminplan zu packen. Sie fragen sich die letzten Minuten vor dem Start und erst recht die letzten Kilometer eines Rennens: Was mache ich hier? Warum tue ich mir so etwas an? Dabei kennen sie die Antwort schon lange. Denn sie wissen, dass sie vor etwas weglaufen und dabei gleichzeitig zu sich hin. Sie laufen weg vor dem Stress, vor Problemen bei der Arbeit, Problemen zuhause! Sie laufen gegen die überzähligen Pfunde. Sie laufen gegen das Alter, Falten, graue Haare… Und sie haben die Erlösung in unzähligen Läufen schon gefunden. Sie laufen und laufen und irgendwann laufen nur noch die Gedanken. Sie laufen nicht mehr, sie fliegen… die Gedanken. Und manch einer rennt sich so die Seele aus dem Leib!

Alles schon tiefenpsychologisch untersucht. Glückshormone sind keine Legenden mehr, sie sind nachgewiesen, in Läuferhirnen tausendmal zahlreicher, als in denen von Sesselpupsern. Und irgendwann hängen diese Läuferhirne an der Hormonnadel, zum Glück, aber sie brauchen jemanden, der ihnen hilft, die Nadel so zu legen, dass die Hormone fließen und fließen und fließen und da komme ich ins Spiel. Sie sollen zwar laufen und laufen und laufen… aber mit Sinn und Verstand. Denn an der Überdosis geht man zugrunde.

Nein, nein, nachgewiesenermaßen laufen sie allen Zivilisationskrankheiten davon, ich will nicht damit langweilen, wie viel länger das Herz eines Ausdauersportlers arbeiten kann, als dass eines Nicht-Sportlers und so weiter und so weiter. Wir Läufer, ja, wir können Vieles. Viele von uns sind Genies: können Hundertschaften von Mitarbeitern organisieren, können Millionen von Dollars und Euros umsetzen, können den ganzen Tag am offenen Herzen operieren… aber unser eigenes Herz spüren, das können wir oft nicht (mehr). Viele Menschen sind sich selbst entfremdet. Wissen nicht, wann Zuviel zu viel ist. Brauchen Hilfe, wenn es darum geht, sich richtig zu belasten, ohne sich zu überlasten. Du, wir, die wir zu einer Spezies gehören, die sich in Millionen Jahren das aufrechte Gehen hart erarbeitet hat, gehen schon wieder gebeugt, weil wir eigentlich mehr sitzen als gehen… den ganzen Tag an Schreibtischen, über Tastaturen gebeugt, mit krummem Rücken. Viele haben das ja erkannt, wir Läufer, ja, aber selbst viele von uns wissen nicht mehr wie, wann, was anstellen mit dem Körper. Ich meine zu wissen, was gesund ist und das darf ich jeden Monat 240.000 Lesern unseres Magazins mitteilen. Für die Besserwisserei werde ich also sogar bezahlt. Und das spornt mich noch mehr an, die Evolution weiter voranzutreiben, so dass aus Menschen nicht wieder Affen werden.

Wir sehen uns da draußen, auf den diversen Laufstrecken, an den diversen Startlinien dieser Welt, auf dass wir weiter aufrecht durchs Leben laufen und erhobenen Hauptes das Ziel/unsere Ziele erreichen!

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2 Kommentare

  1. Hallo Martin,

    ich finde es wunderbar, dass Du nun auch einen (Lauf-) Blog gestartet hast! Als nächstes müssen wir heraus finden, ob Du Dich zum bloggenden Läufer, oder laufenden Blogger entwickeln wirst. Egal, was es wird: Es ist auf jeden Fall die nächste Stufe der Evolution! 😀

    Viel Spaß beim Laufen UND beim Bloggen,

    Eddy

    P.S. Wir müssen Dich unbedingt zum nächsten Laufbloggercamp einladen, würde ich sagen…

  2. sehr gut und wichtig sind die Anti-Doping-Kommentare im Heft, grossen Respekt !

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